All diejenigen von euch, die von ihren Eltern früher zu hören bekommen haben, dass man "von Videospielen nichts lernt", können nun getrost widersprechen. Man lernt etwas aus (Online-)Spielen - wenn sie richtig eingesetzt werden. Ein Planspiel bzw. eine Simulation ist im Allgemeinen ein vereinfachtes Abbild eines realen Systems, eines Prozesses oder einer Umwelt. Die Hauptidee einer Simulation ist "Learning-by-doing" (Akcetin, 2012).
Planspiele und Simulationen sind Lernmethoden, bei denen der Lernende im Zentrum steht und den Lernprozess als "Spieler" kontrolliert und interaktiv beeinflussen kann. Wird das Szenario richtig gestaltet, agiert der Vortragende oder Seminarleiter als "Facilitator" oder Coach, der die Lernenden durch die Problemstellung begleitet und den Wissenserwerb sicherstellt. Simulationen ermöglichen vielerlei Problemstellungen und Szenarien, die den Lernenden ansonsten aufgrund von Zeit-, Budget-, oder Infrastrukturmangel nicht möglich wären. Um ein Planspiel jedoch erfolgreich in den Kurs und den Stoff zu integrieren, muss sich das Planspiel für die Zielgruppe zuallererst "anfühlen" als ob es in den Kursinhalt passt. Dieses Gefühl sollte auch mit der abschließenden Evaluation oder Noten-Gebung verbunden werden. Weitere Faktoren sind die User-Freundlichkeit der (Online-)Simulation für die Zielgruppe und inwieweit sich der Vortragende selbst mit der Simulation auskennt und sie benutzen kann (Albuquerque et. al, 2010).
Und wie werden Planspiele bzw. Simulationen nun eingesetzt? Sie werden mittlerweile verbreitet im Schulunterricht und in Universitäten als Unterstützung der klassichen Vorlesung eingesetzt. Harvard Business Publishing for Educators bietet Vortragenden neben tausenden von Case Studies seit einiger Zeit auch Online Simulations an, die je nach Fachgebiet User mit einem Log-in eine Problemstellung online lösen lässt - Supply Chain Management, Marketing oder auch das Pricing eines Produktes.
Planspiele finden auch vermehrt in Weiterbildungsseminaren ihren Einsatz, beispielsweise bei Primas Consulting im Seminar "Business Simulation für ProjektmanagerInnen" wo anhand des Planspiels "BWL im Projektmanagement erleben" der Lebenszyklus eines Projektes von der Wirtschaftlichkeitsrechnung bis zum Projektabschluss durchgespielt wird.
Das Österreichische Controller Institut verwendet das Unternehmensplanspiels "realBUSINESS" um den Teilnehmern die betriebswirtschaftlichen Zusammenhänge vom Geschäftsfall bis zu den wesentlichen Kennzahlen der Unternehmenssteuerung näherzubringen. Zusätzlich „kämpfen“ Projektteams über mehrere Jahre hinweg um Märkte und Gewinne. Darüber hinaus besteht zwischen dem Österreichisches Controller Institut und Contrast Management Consulting eine Kooperation, die Planspiele sowohl in Form von Brettspielen als auch Computersimulationen anbietet und in In-House-Trainings vielseitig anwendet. Die flexible Anpassung der Lerninhalte ermöglicht es, diese Planspiele als Training für Führungskräfte aber auch für Projektmanager und Mitarbeiter einzusetzen.
Auch im Recruitment werden Planspiele und Online Games eingesetzt, um so die geeignetsten und besten Bewerber eines Unternehmens zu finden. Bei einigen Online Games können Spieler im Anschluss an das Spiel auch direkt ihre Bewerbung hochladen. Das Online Game "REVEAL" von L'Oreal hat erfolgreich weltweit junge und qualifizierte User seit mehreren Jahren dazu animiert, im Zuge des Spiels alle Stationen eines Produktes "durchzuspielen" - von der Ideenfindung bis zur Vermarktung im Geschäft - und kann anhand eingebauter Wahl- und Testmöglichkeiten die Kenntnisse und Kompetenzen der User herausfinden.
Rossitza Prokopieva, M.A.